Nazikeule & Co.: Schubladendenken erklärt + 5 Vorschläge dagegen

„Aha, so einer bist du also.“ Skepsis und Kritik werden manchmal mit nichts weiter als Unterstellungen beantwortet. Woher kommt dieser Anti-Intellektualismus? Um das zu verstehen, müssen wir das Rad der Zeit um einige zehntausend Jahre zurückdrehen.

Wer gelegentlich im Internet über moralisch aufgeladene Themen diskutiert, wird es schon in Aktion gesehen haben: Leuten werden fast ohne Grundlage Gruppenzugehörigkeiten und Absichten unterstellt. Man stellt eine Frage, fragt nach einer Quelle, äußert Kritik – und schon tun viele so, als sei klar, auf welcher Seite man steht, auch wenn man darüber kein Wort gesagt hat, und dass man deshalb nicht ernst genommen werden solle. „Aha, ein AfD-Fanboy.“ „Mit Greta-Gläubigen rede ich nicht!“ Wir selbst wurden schon ohne jeglichen Grund von den einen als „Nazis“ und von den anderen als „Linkspopulisten“ verschrien. Oft ist das Label unfalsifizierbar: „Ich bin kein Rassist“ ist schließlich genau das, was ein Rassist sagen würde!1!!

Was ist das für ein antiintellektuelles Verhalten? Die Antworten liegen in unserer evolutionären Vergangenheit.

Der Mensch, das Herdentier

Menschen sind soziale Wesen. Vor zehntausenden Jahren in der Savanne war es für uns alles, zu einer Menschengruppe dazuzugehören. Es war ein riesiger Überlebensvorteil, in einer verschworenen, einheitlichen Gruppe zu leben, die nach innen altruistisch und nach außen unerbittlich war. Die evolutionär erfolgreichsten Menschen waren die, die in Gruppen lebten, die einen starken inneren Zusammenhalt hatten und andere Gruppen verjagten und bekriegten. Das war das Erfolgsrezept unserer Spezies, und es hat tiefe Spuren in unseren Gehirnen hinterlassen.

Menschen lieben es bis heute, sich in Gruppen zu versammeln. Wir sind alle Teil von etlichen Gruppen: Wir sind Menschen, Bürger von Kontinenten, Ländern, Bezirken, Städten und Stadtteilen, Teile von Freundeskreisen und Familien. Wir sind Sportfans, Kunstliebhaber, Anhänger von Parteien, Philosophien und Religionen. Wir veranstalten Spiele und Wettbewerbe, in denen Gruppen gegeneinander antreten. „Wir“ bedeutet uns extrem viel – und „Wir gegen die“ zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte. Genauso wie zur Schwarmintelligenz neigen wir zur Schwarmblödheit.

Der Club der Guten und der Club der Bösen

Wir wollen akzeptiert und gemocht werden, und deswegen ist es uns sehr wichtig, „gut“ zu sein und „das Richtige“ zu tun. Damit einhergehend hassen wir das entsprechende Böse und Falsche. Unsere Gruppenzugehörigkeit ist davon abhängig, dass wir am Guten festhalten und das Böse verurteilen. Wenn wir das nicht hinkriegen, riskieren wir den Ausschluss aus der Gruppe – in der Savanne hätte das eine riesige Gefahr bedeutet.

Wenn Menschen besonders allergisch auf andere Meinungen reagieren, liegt das oft daran, dass es um moralisch aufgeladene Fragen geht und ihre Steinzeitimpulse sie dazu anhalten, ihre Zugehörigkeit zu ihrer Sippe – ihrer Partei, ihrer Familie, ihrem Freundeskreis, ihrem Fussballclub, dem Club der guten Menschen – mit Virtue Signalling zu bekräftigen und den Feind zu bekämpfen wie ein gutes Stammesmitglied, um nicht allein in der Savanne zu enden.

Die eigene Meinung kann nicht falsch sein, weil sie nicht falsch sein darf. Weil es zu schlimm wäre, wenn sie falsch wäre. Weil ich kein gutes Gruppenmitglied mehr wäre, wenn ich hier nachgeben würde, weil unsere Gruppe der Guten in Gefahr wäre, wenn wir falsch liegen, und weil die Gruppe der Bösen nicht gewinnen darf. Studien zeigen, dass bei emotional-moralisch aufgeladenen Themen unser Gehirn so auf andere Meinungen reagiert wie auf physische Bedrohungen. Bei einer physischen Bedrohung gibt es nur zwei Möglichkeiten: Fight or Flight. Wir greifen überstürzt und heftig an oder weichen aus.

Wer hinterfragt, ist ein Feind

Dass Gruppendynamiken oft ein zentraler Antrieb in emotional-moralisch aufgeladenen Diskussionen sind, zeigt sich besonders eindeutig, wenn Leute in Schubladen gesteckt werden. „Aha, du bist also so einer.“ Statt dass man inhaltlich auf eine Aussage antwortet, unterstellt man dem Gegenüber einfach die Zugehörigkeit zur Feindgruppe – als wäre das ein Argument.

Wenn man eine Aussage eines Rechten hinterfragt und anstelle einer Antwort einfach als „linksgrüner Spinner“ bezeichnet wird, wurde nichts beantwortet. Der Rechte hat einfach nur gesagt: „Du gehörst zur Feindgruppe.“ Das offenbart, dass für den Kritisierten die Wahrheit sekundär ist – was für ihn wirklich zählt, ist die Gruppenzugehörigkeit. Man sagt dem anderen nicht „Du liegst falsch“, sondern „Du hast gerade etwas moralisch Falsches getan und musst folglich ein Feind sein“. Diese Technik funktioniert nur aus Sicht der eigenen Gruppe. Nur die eigene Gruppe ist ebenfalls der Meinung, dass „Der da gehört zur anderen Gruppe“ ein ausreichendes Gegenargument darstelle.

Dabei wird der Fehlschluss der bedingungslosen Loyalität/Feindschaft begangen: Man setzt voraus, dass man alleine aus Skepsis/Kritik schließen könne, welche Position jemand vertrete. Wer einen Vorschlag eines AfD-Vorsitzenden kritisiert, muss ein linksgrüner Spinner sein, denn das tun Linke, und Rechte kritisieren nie etwas, das ein anderer Rechter sagt, und sei es auch noch so falsch. Wer einem Linken in einem Punkt Recht gibt, kann kein Rechter sein, denn das tun Linke, und ein Rechter verurteilt alles, was das andere Team sagt, und sei es auch noch so richtig. So stirbt die Differenziertheit.

Wer hinterfragt, hat üble Absichten

Wenn man die Leute fragt, ob sie kritisches Denken gut finden, stimmen generell die allermeisten zu. Wie sich herausstellt, ändert sich diese Meinung aber meist schnell, wenn sich das kritische Denken gegen Ansichten richtet, die ihnen viel bedeuten. Dann schrillen die Alarmglocken, die eigene Identität wird als gefährdet wahrgenommen und die Wahrheitssuche aus dem Fenster geworfen. Das kritische Denken sieht auf einmal aus wie eine Waffe, die nur benutzt wird, um gegen Ansichten vorzugehen.

„Wer etwas kritisiert/hinterfragt, der hält es für Unsinn und will es bzw. die dahinterliegende Bewegung zerstören. Er nimmt in Kauf, dass meine Aussage falsch sein könnte, und folglich will er wahrscheinlich, dass sie falsch ist! Kritisiert jemand eine Aussage meiner Gruppe, so ist das ein existenzbedrohender Angriff auf den Club der guten Menschen und meine Mitgliedschaft darin.“

Siehe auch:
Warum es keinen freien Willen gibt

Dieses Denken ist Unsinn. Kritik offenbart für sich allein keine Absichten. Kritisches Denken dient nicht der Zerstörung von Ideen, sondern ihrer Prüfung. Es zielt auf kein bestimmtes Ergebnis, sondern auf Wahrheitsfindung. Und nicht nur kann es sein, dass jemand, der eine deiner Aussagen hinterfragt, gute Absichten hat – es spielt bei der Wahrheitsfrage sogar überhaupt keine Rolle, welche Absichten jemand hat. Wenn jemand mich darauf hinweist, dass 2+2 nicht 5 ist, dann spielt es für die Mathematik keine Rolle, mit welcher Absicht er das tut.

Wenn Leute zum Beispiel Grenzkontrollen intensivieren wollen, können wir ihnen nicht einfach das Motiv „Rassismus“ unterstellen und gut ist. Denn nicht nur weist der Wunsch nach gründlicheren Grenzkontrollen allein keinen Rassismus nach – ob intensivere Grenzkontrollen sinnvoll sind oder nicht, hängt nicht von den Personen ab, die sie vorschlagen. Was stimmt, stimmt, was falsch ist, ist falsch – wer es sagt und was dessen Absichten und anderen Meinungen sind, spielt dabei keine Rolle. „Wenn es regnet, und die AfD sagt, es regnet, werde ich nicht behaupten, dass die Sonne scheint“sagte Sarah Wagenknecht der taz. Und nur, weil manche Leute aus unehrenhaften/unzureichenden Gründen für etwas sind, heißt das nicht, dass es keine ehrenhaften/ausreichenden Gründe dafür geben kann (siehe Fehlschluss-Fehlschluss).

Wenn wir Leuten einfach nur auf Basis von Gruppenidentitäten widersprechen, werden sie und viele andere uns nicht ernst nehmen und viel Munition bekommen, um uns als antiintellektuelle Ideologen darzustellen – und das nicht zu Unrecht. Und wenn man jemandem nicht Recht geben will, weil die Wahrheit „dem Gegner in die Hände spielt“ und deswegen geleugnet oder unter den Teppich gekehrt werden muss, dann sollte man überlegen, ob einem Ideologie mehr bedeutet als Wahrheit – und ob man auf der richtigen Seite steht. Aber höchstwahrscheinlich spielt die Wahrheit dem Gegner gar nicht in die Hände, denn wenn wir z.B. wirklich Probleme mit Migranten haben, heißt das nicht automatisch, dass die Vorschläge der AfD dazu umgesetzt werden sollten. Fakten geben uns nicht vor, wie wir handeln sollen.

Es gibt kaum einen größeren Antiintellektualismus, als Argumente mit der Unterstellung von Gruppenzugehörigkeiten und Absichten zu beantworten, denn diese Dinge haben keinerlei Einfluss auf die Wahrheit der Aussagen einer Person. Es sind letztlich unehrenhafte Ad Hominem-Manöver. Doch die Vernunft ist die Sklavin unserer Emotionen. „Wer wagt es, mein Argument für das Gute anzugreifen? Wer würde mich und meine Gruppe derart attackieren und gefährden? Alarmstufe Rot, stopft ihm sofort irgendwie das Maul!

Wer hinterfragt, ist ein unmenschlicher Dämon

Unsere Steinzeithirne verleiten uns leider auch dazu, Menschen mit anderen Meinungen zu dämonisieren. „Wir sind die Guten, ihr seid die Bösen, und dazwischen steht eine unüberwindbare Mauer.“ Wir legen Meinungen, die wir für schädlich halten, als Charakterschwäche aus. Der Gegner muss bei emotional-moralisch stark aufgeladenen Themen so übel wie möglich dargestellt werden, um die Abgrenzung zwischen Gut und Böse zu betonen und die Bekämpfung des Bösen zu rationalisieren. „Wer mir nicht zustimmt und mich kritisiert, der irrt sich nicht einfach – er ist ein im Wesen böser, egoistischer, unbegründet hasserfüllter Dämon, der sich seine Ansichten bewusst ausgesucht hat und weiß, dass sie böse sind. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich mich einfach entscheiden, anders zu denken.“


Das ist faktisch unmöglich. Wenn wir „Arschloch“ als jemanden definieren, der unnötiges Leid verursachen will, dann gibt es auf der Erde kein einziges Arschloch. Wer aus unserer Sicht unnötiges Leid verursachen will, der sieht es entweder nicht als Leid oder nicht als unnötig, und dafür kann er nichts. Wir wissen, dass Menschen nicht Dinge tun, die sie für böse halten, sondern Dinge, die ihnen aufgrund ihrer Meinungen als fair und richtig erscheinen, und wir wissen, dass Meinungen entstehen und nicht ausgewählt werden. Du siehst das anders? Dann entscheide dich doch einfach, es so zu sehen wie wir. Sollte ja kein Problem sein, wenn man seine Meinungen einfach auswählen kann.

Anlagen + Umwelt = Persönlichkeit, that’s it. Niemand liegt absichtlich falsch. Wenn du die Anlagen und die Umwelt gehabt hättest, die ein Rassist hatte, wärst auch du unausweichlich zum Rassisten geworden. Niemand kann etwas für seine Meinung, und es ist selbstverständlich, auf Basis der eigenen Meinungen zu handeln. Wenn dich deine Erfahrungen und Anlagen dazu geführt hätten, zu denken, dass Ausländer eine Gefahr sind und wir unser Land vor ihnen schützen müssen, wärst auch du Rassist und würdest nichts Verwerfliches daran sehen. Du wärst trotzdem noch ein Mensch, der das Richtige tun will – nur schiene das Richtige unter diesen Vorzeichen für dich etwas anderes zu sein. Warum wollen wir solche Wahrheiten nicht hören?

Weil unser Wunsch, Rassismus zu verurteilen, so mächtig ist und wir selbst auf gar keinen Fall den Ausschluss aus der Gruppe der guten Antirassisten riskieren wollen. Es ist nicht stark genug, Rassismus den psychologischen Fakten entsprechend als eine Meinung eines unfreien Menschen zu bezeichnen – nur eine Darstellung des Rassisten als Teufel in Menschengestalt, der mit voller Absicht bewusst und unbegründet böse ist, verleiht unseren Emotionen und unserer Abgrenzung vom Bösen, unserer Position als guter Mensch ausreichend Ausdruck. Wieder muss die Wahrheit für unsere emotionalen Bedürfnisse draufgehen. Wir tun so, als ob die grundlegende Meinungsverschiedenheit mit der Gegenseite darin bestehe, ob wir das Richtige tun sollten – obwohl die Diskussion nur darin bestehen müsste, was das Richtige ist.

Siehe auch:
3 Tricks, um Andersdenkende online ins Nachdenken zu bringen

Bei der Dämonisierung verstricken wir uns in Widersprüche: Man kann nicht ein von Natur aus böses Wesen sein und sich gleichzeitig absichtlich frei dafür entschieden haben, böse zu sein. Doch wir wollen es glauben, weil das emotional befriedigend ist. Wir verwerfen wirksame Interventionen zur Prävention von „bösem“ Verhalten, denn manche Menschen „sind halt einfach böse“. Wir kritisieren nicht mehr Meinungen, sondern Menschen – obwohl es die Meinungen sind, die Menschen „böse“ machen. Das verhärtet die Fronten, vergiftet den Diskurs, verunmöglicht einen effektiven Kampf gegen Extremismus und kann an ganz üble Orte führen.

Schubladendenken ist sehr verlockend

Warum das alles? Warum sträuben wir uns manchmal so sehr gegen Wahrheitssuche?

  • Weil wir uns selbst und anderen gegenüber als klug, moralisch und konsistent erscheinen wollen, nicht als Leute, die sich irren, moralisch zweifelhaft sind und ihre Meinungen ändern müssen.
  • Weil wir unserem eigenständigen Denken und unserer Wahrnehmung vertrauen können wollen.
  • Weil wir selbst die Wahrheit finden und nicht von anderen belehrt und korrigiert werden wollen.
  • Weil wir unsere Ansichten oft mögen und sie nicht aufgeben wollen, weil wir nicht wissen, wie es ohne sie weitergehen könnte.
  • Weil wir die Beziehungen zu unserer Gruppe nicht riskieren wollen, die so denkt wie wir.
  • Weil wir nicht so viel nachdenken und diskutieren wollen. Das ist anstrengend.
  • Weil wir die Vorstellung lieben, dass Themen einfach sind und wir die Welt verstanden haben.

Wenn wir Leute, die unsere geliebten Ansichten hinterfragen, einfach in eine Schublade mit der Aufschrift „böse und dumm, darf man nicht ernst nehmen“ stecken, erspart uns das viel anstrengende Denkarbeit. Wir müssen uns mit vielen Inputs einfach nicht mehr befassen und können unsere geschätzten Glaubenssätze behalten. Wenn wir die Welt in ein paar übersichtliche, klar getrennte Schubladen einräumen, haben wir den Eindruck, sie sei einfach, leicht verständlich und wir hätten den Überblick darüber. Herrlich.

Undifferenziertheit und Schubladendenken sind „ökonomisch richtige“ Entscheidungen und nehmen einem viel Last von den Schultern. Und bei vielen Leuten ist es nicht nur so, dass sie ihr Steinzeithirn in diese Richtung drängt – ihnen fehlt zusätzlich das Wissen über kritisches Denken, um Inhalte inhaltlich bewerten zu können. Und dann bleiben nur irrationale Auswege: Mag ich diese Aussage? Klingt sie intuitiv vernünftig? Wer äußert sie? Ist das ein Guter oder ein Böser? Es findet keine effektive Wahrheitssuche statt.

Wie können wir dem beikommen? Nehmen wir uns folgende fünf Vorschläge zu Herzen:

1 Lernen und lehren wir kritisches Denken

Denken und Entscheiden sind die Grundlagen unseres Handelns. Wir brauchen diese Fähigkeiten täglich ununterbrochen, beschäftigen uns aber fast nie damit, wie wir darin besser werden und Fehler vermeiden können. Das sollte sich ändern. Wir sollten den Leuten als Teil der Grundbildung beibringen, welche Verzerrungen ihr Denken beeinflussen und was logische Fehlschlüsse sind, damit sie die Chance haben, ein wenig Ordnung in ihr Denken und Entscheiden zu bringen.

2 Weg mit dem Fehlschluss der bedingungslosen Loyalität/Feindschaft

Hören wir auf damit, zu denken, dass Kritik die Position des Kritisierenden offenbaren müsse, denn das tut sie nicht. Die Position finden wir nur heraus, wenn wir danach fragen. Es ist normal und extrem wichtig, dass Leute ihre eigene Gruppe hinterfragen und auch einem „Gegner“ Recht geben, wenn er Recht hat. Die Welt ist komplex, nicht schwarz-weiß. Unsere Schubladen können sie nicht akkurat abbilden. Jeder kann in manchen Punkten Unrecht haben und in anderen Punkten Recht haben, und wer das leugnet, stellt Ideologie über Wahrheit und gibt der Gegenseite Munition.

3 „Wie kommst du darauf“ statt „Wer bist du“

Kritik offenbart nicht die Position des Kritisierenden – und der Kritisierende sollte sowieso überhaupt keine Rolle spielen. Es spielt keine Rolle, ob ein Argument auf einem Blatt Papier steht oder von einer bestimmten Person vorgetragen wird. Hören wir auf, uns darauf zu fixieren, wer etwas gesagt hat, denn das ist sowas von kein verlässlicher Weg zur Wahrheit. Fixieren wir uns darauf, was er gesagt hat – und vor allem, mit welcher Begründung. Das bringt uns in Richtung Wahrheit.

4 Kapieren wir, dass alle das Richtige tun wollen

Meinungen entstehen, man sucht sie sich nicht aus. Für deinen Gegner sieht seine Weltsicht vernünftig und moralisch richtig aus, und dafür kann er nichts. Wir leben nicht in einem Disney-Film mit bösen Bösewichten, die wissen, dass sie böse sind. Wir denken alle, wir seien gut und lägen richtig, und niemand liegt absichtlich daneben. Tun wir nicht so, als seien manche Leute einfach „böse“, und verstehen wir, dass sie einfach falsch liegen könnten – und dass wir mit guten Interventionen etwas bewirken können.

5 Praktizieren wir den einflussorientierten Skeptizismus

Halten wir uns an diesen Grundsatz:

Je größer der Einfluss einer Ansicht auf die Welt ist, desto forscher solltest du sie prüfen.

Was die meisten Auswirkungen hat, sollte auch möglichst nicht falsch sein. Haben wir keine Angst vor Fakten, die einem „Gegner in die Hände spielen“ könnten – die Fakten geben uns nicht vor, wie wir handeln sollen. Entwickeln wir eine Liebe zur Wahrheit – denn nur, wenn wir wissen, wie die Realität wirklich beschaffen ist, können wir auch vernünftig mit ihr umgehen. Stellen wir deshalb die Wahrheit über Ideologien und über unseren Stolz. Wahrheitssuche sollte etwas völlig Normales, Lobenswertes sein, das nicht verurteilt und abgekanzelt wird. Dafür setzen wir uns ein.

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