Weisheit, Kapitel 2: Die Reise planen und vorbereiten

Nun haben wir uns also zur Weisheitsreise entschlossen. Aber in welche Richtung ziehen wir los – und wie bereiten wir uns darauf vor? Darum, wie das gehen könnte, soll es in diesem zweiten Post der Reihe gehen.

Wir wollen also weiser werden. Denn zuvor hatten wir festgehalten:

  1. Bei Weisheit handelt es sich um Kompetenz im Menschsein / lebensförderliches Wissen
  2. Manches könnte in unserem Leben besser laufen
  3. Weisheitsgewinn könnte uns helfen, weniger unnötig zu leiden

Daraus ergeben sich die Grundlagen für unsere Reisevorbereitung. Es geht dabei vor allem um Fokus und Lernfähigkeit.

Fokus – orientieren und konzentrieren

Wir brauchen eine Richtung für unsere Reise, denn sonst laufen wir Gefahr, uns im Meer der Ideen zu verlieren, ohne wirklich etwas zu erreichen. Wir müssen uns für konkrete Ziele und gegen andere entscheiden. Hier hilft es enorm, die vorgeschlagene Übung aus dem ersten Post durchzuführen und erst einmal über die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schreiben. Am besten versuchen wir, uns im Zukunftsteil eine ideale Wunschvorstellung und eine fürchterliche Horrorvorstellung auszumalen:

Wie könnte mein Leben aussehen, wenn ich weiser werde? Was für ein Leben wäre es mir wert, mich dafür aufzuraffen und etwas dafür zu investieren? Wie wäre es, wenn alles beim Alten bleibt oder sich verschlechtert? Ich zahle einen Preis, um mich zu verbessern – doch welchen Preis zahle ich, wenn ich es nicht tue?

Nun haben wir eine anregende Vision, die wir ansteuern möchten, und eine abstoßende Dystopie, der wir ausweichen wollen. Nun können wir uns fokussieren und auswählen, mit welchen Themen wir uns auseinandersetzen, um uns unserem Himmel zu nähern und von unserer Hölle zu entfernen. Woran sollte ich arbeiten, was würde mich weiterbringen? Was bringt mir und meinem Umfeld immer wieder Probleme und Leid? Wo habe ich noch wertvolles Potential?

Siehe auch:
Die besten Argumente gegen die Cancel Culture (Alex O'Connor)

Wenn wir unterwegs weiser werden, kann es auch sehr gut sein, dass wir unsere Ziele und Fokusthemen noch überarbeiten. Das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass wir Ziele finden, die hoch genug sind, dass sie uns ausrichten und antreiben – aber nicht so hoch, dass sie uns erdrücken und lähmen.

Lernfähigkeit – zum Weisheitsschwamm werden

Damit wir unterwegs auch vorwärtskommen, müssen wir dazulernen. Und damit das möglichst effizient klappt, müssen wir lernfähiger werden. Dabei hilft ein Grundsatz von der Sorte „leicht gesagt, schwer umgesetzt“:

Alle Menschen und Ideen, denen ich begegne, könnten mir eine Hilfe dabei sein, weiser zu werden.

Natürlich müssen wir uns nicht ständig vertieft mit allem und jedem abgeben – darum ging es ja gerade eben beim Thema Fokus. Doch kleine und große Weisheitsgewinne können überall auf uns warten. Deshalb sollten wir uns, getrieben vom emotionalen Bedürfnis des Weisheitsgewinns und dem Ansteuern unserer anregenden Zukunftsvision, ein lernförderliches Verhalten gegenüber Ideen antrainieren. Das wohl wichtigste Werkzeug dafür ist die Praxis des „Steelmanning“, des Bauens sogenannter Stahlmänner.

Unter einem Strohmann versteht man eine unschmeichelhaft verfälschte Version einer Idee. Ein Stahlmann ist das genaue Gegenteil: eine großzügig verstärkte Version einer Idee. Immer wieder lassen uns Aussagen kalt oder lösen in uns eine Abwehrreaktion aus, obwohl sie eine Chance auf wertvolle Erkenntnis beinhalten. Darum sollten wir uns darin üben, Ideen großzügig zu behandeln und uns stets zu überlegen, wo der wahre Kern in einer Aussage steckt und wie man sie annehmbarer formulieren könnte, statt sie einfach vollständig zu verwerfen. So erhöhen wir die Chance massiv, dass wir vorhandenes Lernpotenzial nutzen.

Siehe auch:
Gedankengärung, Teil 2 - Warum die effektive Meinungsbildung in Gefahr ist

Ebenfalls sehr wichtig ist die Praxis, Ideen als Puzzleteile zu betrachten. Denn nicht nur kann jede Idee, die ich als wahr ansehe, falsch sein – selbst wenn sie absolut wahr ist, muss das nicht heißen, dass ich damit bereits das gesamte Bild dieses Themengebiets in all seinen Schattierungen erfasst habe. Es gibt nichts, das in dieser Hinsicht hilfreicher ist, als genau diese Erfahrung zu machen: Ich entdecke eine Wahrheit und lerne später noch etwas zum selben Thema, das ebenfalls wahr ist, aber meinen Blick auf die Gesamtrealität entscheidend verändert.

Auf geht’s!

Sobald wir Ziel und Route auf unserer Karte eingetragen und die Lern-Ausrüstung eingepackt haben, können wir aufbrechen auf die Weisheitsreise. Und was man da unterwegs genau tut, darüber sprechen wir im nächsten Post.

Weisheit, Kapitel 3: Wie man in Richtung Weisheit reist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert